(Teil 2)
Ganz wunderbar finde ich hingegen die Möglichkeit, ebooks und Zeitungen/Zeitschriften direkt mit dem Reader downzuloaden. Das kostet nichts extra, egal, wo man sich gerade aufhält, obwohl man ja dafür eine Mobilfunk-Daten-Verbindung nutzt. Die Nutzung ist bei einem internationalen Account schon in den Preis der ebooks eingerechnet und man kann somit unabhängig davon, ob man sich gerade im Heimatland oder im Ausland aufhält, ohne Roaming-Kosten ebooks direkt mit dem Kindle bestellen und direkt downloaden. (Achtung: wenn man trickst und den Kindle auf einen Account mit amerikanischer Anschrift registriert, funktioniert das so NICHT mehr und man zahlt hohe Roaming-Kosten für jedes Buch, jede Zeitung, die man direkt mit dem Kindle laden möchte. Dann muß man also wieder ausschließlich den Rechner zum Übertragen nutzen, was ich so nicht möchte und weshalb ich meinen Account mit meiner normalen deutschen Adresse führe.)
Auch eine rudimentäre Internet-Funktion läßt sich (kostenlos) nutzen, aber diese funktioniert bei mir meistens nur sehr eingeschränkt und langsam - oder ich bekomme Meldungen, wonach der Internet-Zugang für ausländische Kindles beschränkt sei. Aber immerhin: Wikipedia kann ich damit (langsam) nutzen, egal, wo ich gerade bin (sofern ich ein Mobilfunknetz habe) und ohne Daten-Roaming-Kosten zu haben.
Ich hab unter anderem die F.A.Z. in der Kindle-Version abonniert und bin begeistert. Pünktlich gegen 23 Uhr bekomme ich jeweils die Ausgabe des nächsten Tages auf den Kindle geladen. Daß alle Bilder und Graphiken fehlen, hat mir anfangs Sorgen gemacht, jetzt aber merke ich, daß ich das in den allermeisten Fällen nicht vermisse (das wäre beim "Spiegel" o.ä. schon etwas anderes, denke ich mal) und daß die Aufbereitung der Zeitschrift für den Reader wirklich sehr gelungen ist. Es handelt sich NICHT (wie sonst bei Online-Abos von Zeitungen und Zeitschriften) um pdf-Dateien sondern um Dateien im Amazon-eigenen Format, weswegen man auch die Schriftgröße einstellen, Notizen eingeben kann etc. Ich hoffe, daß andere deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften da in absehbarer Zeit nachziehen und Kindle-Versionen anbieten.
Etwas schwer fällt mir die Orientierung innerhalb der FAZ., da ich wegen der großen Schriftgröße in der jeweiligen Artikel-Übersicht nur jeweils 2 Zeilen angezeigt bekomme. Aber ich hab jetzt gemerkt, daß es am besten ist, mich einfach von Artikel zu Artikel zu klicken und nicht so sehr über das Inhaltsverzeichnis zu navigieren.
Gut gefällt mir auch, daß man sich Texte (und Bilder) automatisch von Amazon in das Kindle-Format konvertieren lassen kann. Dafür gibt es eine kostenlose und eine kostenpflichtige Möglichkeit. Bei ersterer erhält man die Dateien via email und muß sie dann selbst mit USB auf den Reader übertragen, bei zweiterer werden einem die Dateien direkt auf den Kindle geschickt. Praktisch ist das auch, wenn man einem Freund oder Familienmitglied, das auch über einen Kindle verfügt, einen (doc, txt o.ä.) Text zukommen lassen möchte. Man kann ihm diesen direkt auf seinen Kindle senden lassen, sofern man seine Kindle-email-Adresse kennt und die eigene email-Adresse als zulässige Versandadresse beim anderen hinterlegt ist (so wird Spam vermieden). Bei doc-, jpg- und txt-Files hat das bei mir wunderbar geklappt, bei pdfs mutierten leider in der konvertierten Fassung alle Umlaute und ß zu Hyroglyphen. Ich hoffe, daß dieses Problem irgendwann behoben wird.
Zur Akku-Laufzeit kann ich noch nicht viel sagen, bisher hält der Akku sehr gut durch, trotz eingeschalteter Mobilfunk-Funktion.
Die mp3-Player-Funktion hab ich noch nicht ausprobiert (und hab das auch eigentlich nicht vor), weiß also nicht, ob man hier (anders als bei den Sony-Geräten) den Player auch wieder richtig ausschalten kann oder ob man auch beim Kindle den Reader runterfahren muß, um den Player zu beenden.
Eine weitere Kleinigkeit, die mir wirklich gut gefällt, ist der Bildschirmschoner: schaltet man den Kindle aus, erscheint eines von etlichen vorgegebenen Bildern. Ich LIEBE das, v.a. die Autorenportraits! Ich würde mir allerdings noch mehr Portraits (auch aktueller AutorInnen) und weniger von den anderen Bildern wünschen.
Der Reader liegt mir gut in der Hand, ich kann auch längere Zeit hindurch entspannt lesen, er ist mir nicht zu schwer o.ä. Die Geschwindigkeit beim Blättern ist sehr gut.
Ich bin sehr froh, daß ich mich nicht mehr mit einer Touchscreen-Oberfläche herumschlagen muß, die die Display-Qualität massiv verschlechtert, ständig verschmiert ist und langsam reagiert sondern daß ich nun endlich eine tolle Notiz-Funktion mit einem sehr klaren, kontrastreichen Display verbinden kann.
Es gibt allerdings natürlich auch ein paar Nachteile:
Der gewichtigste ist sicher die Tatsache, daß der Kindle keine ePub-Dateien lesen kann. Man kann sie sich auch nicht via den Konvertierungs-Service von Amazon ins Kindle-Format konvertieren lassen o.ä. Somit ist der Zugang zu deutschsprachiger aktueller Literatur (noch?) sehr eingeschränkt. Ich hoffe, das bessert sich und der Shop wird auch für deutsche Bücher attraktiver. Momentan kann man sich nur dadurch behelfen, daß man die ebooks selbst scannt und dann am besten mit Calibre nach Mobipocket konvertiert (das kann der Kindle lesen, sofern es DRM-frei ist) oder indem man DRM-freie ePub-Dateien nach Mobipocket konvertiert. Der Weg über Stanza (ePub mit Stanza öffnen und "Exportieren ins Kindle-Format" auswählen) hat sich NICHT bewährt. Dabei gehen alle Formatierungen, ansteuerbare Inhaltsverzeichnisse, Titelblätter usw. verloren und die Texte werden dann nicht sehr attraktiv im Reader dargestellt. Momentan scheint mir das Konvertieren DRM-freier ePubs via Calibre nach Mobipocket am besten zu funktionieren. Die Mobi-Files kann man dann ganz einfach mittels USB via Finder/Explorer übertragen. Man braucht keinerlei spezielle Software o.ä. dazu.
Ein weiterer Nachteil liegt für mich in der Tatsache, daß keine Seitenzahlen im Text angezeigt werden sondern nur eine Prozentzahl und eine merkwürdige Angabe über die Position im Buch, die ich bisher nicht wirklich zuordnen kann. Das macht das Zitieren (v.a. bei wissenschaftlichen Texten) oder auch den Austausch mit Freunden/Kollegen über eine bestimmte Buchstelle o.ä. schwierig und stört mich. Ich muß noch schauen, wie ich damit klarkomme und wie ich die Angaben zur Position im Text dazu verwenden kann, die Stelle in der gedruckten Fassung wiederzufinden. Hat dazu jemand Erkenntnisse? - Blöd finde ich in diesem Zusammenhang auch daß man nicht via Aufruf des Inhaltsverzeichnisses schauen kann, wieviele Seiten es noch bis zum nächsten Kapitel sind o.ä. Man kann zwar das Inhaltsverzeichnis aufrufen und Kapitel ansteuern, nicht aber sehen, auf welcher Seite jeweils das nächste Kapitel anfängt, wieviel einen noch vom nächsten Kapitel trennt o.ä.
Was mich auch sehr stört, ist das Fehlen der Möglichkeit, Ordner anzulegen. Bei vielen gespeicherten ebooks kann das schnell unübersichtlich werden. Ich benenne daher beim Konvertieren jede Datei in einer Weise um, die mir eine gewisse Ordnung gewährleistet. Das hilft (zumal man ja eine Suchfunktion nutzen kann), aber ich würde mir dennoch dringend wünschen, daß es demnächst ein Firmware-Update gibt, das Ordner ermöglicht. Seltsamerweise kann der Kindle an sich offensichtlich Ordner darstellen, denn ältere Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften werden in einem Ordner "Periodicals" gespeichert. Versuche, selbst Ordner anzulegen, scheitern bei mir aber dennoch bisher.
Gewöhnungsbedürftig ist auch die Tatsache, daß alle ebooks/Zeitschriften usw. in der gleichen, offensichtlich vom Kindle vorgegebenen, Schrift dargestellt werden. Die ebooks unterscheiden sich also nicht im Schriftbild und die Schriftart kann auch nicht verändert werden (wohl aber die Abstände zwischen den Worten, die Textgröße usw.). Ich finde die Schriftart aber sehr gut lesbar, auch Kursivsetzungen scheinen mir gelungen zu sein, somit stört mich das nicht weiter.
Was ich manchmal etwas unschön finde, ist die Tatsache, daß die Texte im Blocksatz ohne Silbentrennung dargestellt werden. Das sorgt für Lücken im Text, die unangenehm sein können.
Schade ist auch, daß man den Speicher des Kindle nicht mit einer Speicherkarte erweitern kann. Ich hab gewisse Vorbehalte dagegen, ebooks in den internen Speicher eines Readers zu laden, weil man somit weniger handlungsfähig ist falls Probleme auftreten. Ich hoffe jetzt einfach, daß das beim Kindle nicht zwingend nötig ist. Und der interne 4GB-Speicher bietet ja auch reichlich Platz für ebooks (bei mp3-Files, Hörbüchern oder Bildern kann's aber natürlich schnell eng werden).
Blöd ist, daß keinerlei Schutz/Hülle o.ä. mitgeliefert wird. Ungeschützt möchte ich den Reader keinesfalls in eine Tasche packen. Momentan helfe ich mir mit einer Neopren-Hülle für kleine Netbooks, hab aber ein M-Edge-Cover bestellt und hoffe, es kommt bald.
Alles in allem überwiegen für mich ganz klar die Vorteile und ich freue mich sehr darüber, nun endlich einen Reader gefunden zu haben, der wirklich sehr nahe an meine Wunschvorstellungen heranreicht.
Daß Sony&Co. es bisher nicht schaffen, ein ähnlich komfortables und gutes System (inkl. unkompliziertem ebook-Kauf usw.) zu etablieren (und daß auch Amazon das tolle System bisher nur sehr zögerlich auf den europäischen Markt ausweitet), verstehe ich immer weniger. Natürlich würde ich einen offenen Standard vorziehen, aber die Unkompliziertheit des Kindle-Systems ist den DRM-Problemen hierzulande bei aller Kritik zumindest an Nutzerfreundlichkeit massiv überlegen. Daß Amazon theoretisch Inhalte von meinem Kindle löschen oder verändern könnte, mißfällt mir, aber ich hoffe, man hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und natürlich sichere ich meine Kindle-Dateien immer auch auf meinem Rechner…
Viele Grüße,
Momo
Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von »Momo« (2. Februar 2010, 11:40)