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Montag, 16. März 2009, 00:19

eBooks auf dem iPhone / iPod touch

Hallo erstmal,

ich möchte diesen Teil des Forums mal zum Leben erwecken und ein wenig über Möglichkeiten des eBook-Lesens auf dem iPhone bzw. iPod touch informieren.

Mit dem Erscheinen von iPhone und iPod touch war recht schnell klar, dass die beiden Geräte mit ihren relativ großen und qualitativ bestechenden Displays auch für die Darstellung von eBooks gut geeignet sein würden. Anfänglich fehlte es an entsprechender Software. Einzig der eingebaute PDF-Viewer erlaubte es, z.B. in eMails empfangene PDF-Dateien bis zu einer Größe von 10 MB zu öffnen. Dieser Viewer beherrscht allerdings kein Reflow, so dass in nicht speziell für die Displaygröße angepassten Dokumenten meist wild hin und her gescrollt werden muss.

Seit es für die beiden Geräte die Software in Version 2.0 gibt, bietet Apple die Möglichkeit, über den iTunes-AppStore Anwendungen zu beziehen und auf dem iPhone/iPod zu installieren. Unter den vielen tausenden Applikationen finden sich auch einige zum Lesen elektronischer Texte.

Grundsätzlich sind zunächst zwei Kategorien zu unterscheiden: Einerseits lassen sich aus dem AppStore direkt eBooks herunterladen und installieren, die dann quasi ihre eigene Reader-Software mitbringen, andererseits gibt es auch Readersoftware, die dann mit verschiedenen (auch eigenen) Texten gefüttert werden können.

EBooks, die sich im AppStore direkt fürs iPhone/iPod herunterladen lassen, gibt es vorrangig in englischer Sprache. In der großen Masse sind es die allseits bekannten großen Werke, deren Urheberrechtschutz abgelaufen ist, also Titel wie Orwells "1984", Mellvilles "Moby Dick" oder die Werke von Shakespeare. Zusätzlich sind einige Leseproben aktueller Titel im Angebot. Man lädt sich das entsprechende "Buch" herunter (oft kostenlos, mitunter werden geringe Beträge von z.B. 0,79 Euro verlangt) und installiert es auf dem Gerät. Anschließend findet sich direkt für das Buch ein Eintrag in der Oberfläche des Geräts. Wie schon oben beschrieben, wird die Reader-Software für solche Titel direkt mitgeliefert. Diese Software erlaub aber keinen Import zusätzlicher Texte.

Hier ein Beispiel - Shakespeares "Hamlet" als eigenständiges eBook mit integrierter Reader-Software:


Nun zu den eigenständigen Reader-Programmen.
Die beiden bekanntesten sind "eReader" und "Stanza".

eReader:
Das Programm wird vom eBook-Portal http://www.fictionwise.com angeboten und soll natürlich in erster Linie seine Texte von dessen Shop beziehen. Als amerikanischer eBook-Shop bietet fictionwise natürlich überweigend englischsprachige Literatur an, teilweise auch kostenlos. Seit einiger Zeit ist es aber auch möglich, jeden Webserver als Quelle für neu hinzuzufügende eBook-Titel anzugeben. Wer also über eigenen Webspace verfügt kann seine eigenen eBooks im eReader-Format (das dem DOC-Format bei Palms entspricht und daher auch die Dateiendung *.PDB trägt) dort hochladen und dann mit dem iPhone/iPod in die eReader-Bibliothek importieren. Diese Bibliothek ist dann auch das erste, was man sieht, wenn das Programm gestartet wird.
eReader bietet wirklich viele Einstellungen, um es an die eigenen Vorlieben anzupassen. So können Schriftarten und -größen, Farben, Textausrichtung und die Bedienung vorgegeben wrden. Der Leser kann selbst entscheiden, ob er für das Blättern auf die nächste Seite über das Display wischen möchte oder einfach nur einmal tippen. Alternativ kann der Text auch (mit wiederum einstellbarer Geschwindigkeit) über das Display scrollen.

Hier zwei Screenshots von eReader:


Stanza:
Stanza kommt ebenfalls mit einer Anbindung an eine eigene eBook-Datenbank - dem sogenannten Online-Katalog. In diesen sind jedoch diverse eBook-Portale, kommerzielle und nicht-kommerzielle eingebunden. So können z.B. Bücher vom BooksOnBoard eBook Shop, von Fictionwise, von O'Reilly Ebooks oder auch vom amerikanischen "Project Gutenberg" (nicht zu verwechseln von unserem deutschen unter http://gutenberg.spiegel.de angebotenen Portal urheberrechtsfreier deutschsprachiger Texte) importiert werden. Je nach Shop/Portal muss für die Titel bezahlt werden oder nicht.
Auch Stanza bietet eine Vielzahl von Anpassungsmöglichkeiten für die Darstellung der Texte. Das Umblättern erfolgt durch einfaches Antippen, eine Funktion für automatisches Scrolling gibt es nicht.
Stanza erlaubt es, durch eine gleichnahmige PC oder Mac-Anwendung, eBooks aus fast jedem der gebräuchlichen Formate zu importieren. Dazu wird das eBook einfach in der PC/Mac-Anwendung geöffnet und kann dann übers WLan direkt vom iPhone/iPod übernommen werden. Ein großer Vorteil gegenüber dem eReader - dort muss man selbst dafür sorgen, seine eBooks ins eReader-Format zu bringen, damit man sie importieren kann. Die PC/Mac-Anwendung von Stanza ist jedoch noch in einem Beta-Stadium, was man an der einen oder anderen Stelle durchaus noch merkt. Beim Öffnen diverser Dokumente habe ich schon Abstürze bzw. unklare Fehlermeldungen erlebt, der Import von PDF-Dateien lässt auch noch einige Wünsche offen, was z.B. Absatzformatierungen betrifft. An der Software wird jedoch stetig weitergearbeitet, so dass Besserung in Sicht ist.

Hier zwei Screenshots von Stanza:


Nicht unerwähnt lassen möchte ich das Programm "ReflowPDF", welches PDF-Dokumente neu umbrechen kann und somit auf dem Display des iPhone/iPod lesbar macht. Das Programm verfügt über einen eigenen Webbrowser, über den das gewünschte PDF-Dokument heruntergeladen werden kann. Wer eigene PDFs importieren möchte, braucht also wieder eigenen Webspace bzw. installiert sich einen einen eigenen Webserver auf dem PC/Mac. ReflowPDF ist jedoch noch in einem recht frühen Entwicklungsstadium...

Ich füge noch einige Screenshots hinzu, die die Darstellung von eBooks auf dem Display eines iPod touch verdeutlichen.

Das solls fürs erste von mir gewesen sein, vielleicht bekommt der eine oder andere so einen kleinen Überblick. Fragen können natürlich gern gestellt werden, auch etwas detailliertere Anleitungen kann ich gern geben... :)

Viele Grüße,
JensiK

Philipp

Administrator

Beiträge: 395

Wohnort: Neumünster

Beruf: Student Wirtschaftsinformatik

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2

Montag, 16. März 2009, 18:54

wow, vielen Dank für den ausführlichen Beitrag! :-)

Ich werde in den nächsten Wochen hoffentlich auch endlich zu einem iPhone kommen :-)

3

Donnerstag, 19. März 2009, 02:32

Brrrr .... eBooks auf einem LCD-Display, da bekommt man Kopfweh.

Monkey Island auf dem Handy zu zocken war noch fun aber lesen ...?

beam

E-Book Profi

Beiträge: 75

Wohnort: Berlin

Beruf: eBook Verleger

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4

Sonntag, 12. April 2009, 17:34

deutschsprachige eBooks für Stanza

Ein Tipp für alle Stanza User:

Ich habe jetzt einen Stanza Katalog mit unseren eBooks erstellt. Es sind zwar erst rund 250 Titel die uns im ePub Format vorliegen, aber es werden jeden Tag mehr.

Um den Katalog zu Nutzen muss man im Stanza-Reader auf dem iPhone den Punkt 'Online-Katalog' auswählen und dann unten rechts auf das '+' Zeichen klicken. 'Stanza-Katalog' hinzufügen auswählen und als URL 'stanza.beam-ebooks.de' eingeben. Dann steht der Katalog unter 'Online-Katalog' zur Verfügung.

Viel Spaß beim Lesen. Ich finde das iPhone mitlerweile sehr gut geignet dafür. Vorallem hat man es immer dabei.
www.beam-ebooks.de - Lesen ohne Druck

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »beam« (17. April 2009, 13:18)


netspy

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Beruf: Webautor

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5

Freitag, 17. April 2009, 09:35

eReader

Danke für den ausführlichen Beitrag. Zum eReader-iPhone noch ein kleiner Nachtrag: Man kann auch ohne eigenen Webspace einfach eigene Bücher auf das iPhone hochladen. Dazu muss man auf www.ereader.com nur einen Account anlegen. Wenn man dann in den Bookshelf geht, findet man rechts ein Bild mit „Personal Content for iPhone and iPod touch“. Dort kann man einfach eigene PDBs (kann man bspw. mit OpenOffice erstellen) hochladen. Im iPhone klickt man dann in der Buchübersicht unten auf + und wählt „eReader/Fictionwise shelf“ aus. Nach der Anmeldung erscheinen dort dann die hochgeladenen eBooks.

@beam: Funktioniert super mit dem Stanza-Katalog. Danke!

MobileReader1

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6

Sonntag, 3. Mai 2009, 18:24

Mit Stanza geht wieder einer...

Danke für den ausführlichen Bericht.
Leider scheidet Stanza dann demnächst wohl auch aus.
Siehe: Amazon übernimmt Stanza.
Wenn es bei Stanza so läuft, wie bei MobiPocket, dann "gute Nacht Marie".
Amazon schafft sich damit vermutlich einen weiteren Mitbewerber vom Hals.

Ab wann interessiert sich eigentlich die Kartellbehörde für derartiges Verhalten?

Gruß
Jan

K-Thom

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Beruf: Texter & Grafiker | eBook-Verleger

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7

Dienstag, 12. Mai 2009, 00:50

Die Kartellbehörde (auch die US-amerikanische) wird sich dann dafür interessieren, wenn eine marktbeherrschende Stellung vorliegt. Diese ist bei der Übernahme von Stanza durch Amazon aber nicht gegeben.

- Jedem Entwickler steht es frei, ein ähnliches Tool wie Stanza zu programmieren. Amazon kann nichts dagegen machen, und Apple wird es (derzeit) kaum verhindern, wenn solch ein neues Tool im App Store angeboten wird.
- Amazon und der Kindle sind so gesehen "nur was für die Amerikaner", während Apple und das iPhone weltweit verfügbar sind. Also kann Amazon durch seinen eingeschränkten Marktradius keinen Druck auf Entwicklungen auf dem internationalen iPhone ausüben.

Bislang läuft Stanza ja schon sauber. Links neuer Shops lassen sich wie der von beam eBooks auch schnell manuell einbauen, also kann ich mir meine Liste an Online-Shops auch selbst "zusammenbasteln".
Übel wäre es nur, wenn Apple irgendwann beschließt, Stanza nicht mehr zuzulassen und die Software dann einfach von unseren Handys zu löschen. Wozu sie laut ihren AGB berechtigt sind. :thumbdown:

MobileReader1

E-Book Profi

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Beruf: Selbständig

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8

Montag, 18. Mai 2009, 10:30

Hi K-Tom,

Stanza läuft rund. Das ist korrekt.
Das hat MobiPocket auch getan. IMHO sogar noch besser als Stanza. Die Anzeige auf den Geräten, auf denen ich MobiPocket laufen hatte war flüssiger, das Erzeugen neuer eBooks lief sauberer ab. Und dann kam Amazon und seitdem ist die Entwicklung des Tools anscheinend eingefroren. Eine iPhone-Version wird es wohl nicht mehr geben. Updates für existierende Plattformen gab es schon ewig nicht.
Wenn die das auch mit Stanza machen, dann haben die bald ihr Monopol.
Und alle haben zugeschaut und hinterher will wieder keiner was gesehen haben... :whistling:

Deshalb versuche ich momentan einen großen Bogen um alles zu machen, was mit Amazon zu tun hat.
Kaufe sogar meine Papierbücher woanders, weil ich zumindest nicht mit Schuld sein will, wenn es dann irgendwann nur noch einen einzigen großen Anbieter von eBooks gibt und eBooks ohne DRM für alle Zukunft in unerreichbare Ferne gerutscht sind.

Was ich nicht verstehe: die Musikszene hat aufmerksam verfolgt, wohin die Entwicklung ging und gegengesteuert, wenn etwas nicht im Sinne der Konsumenten war.
Daher gibt es jetzt überall Musik zu kaufen, die Spaß macht und auf vielen Geräten abgespielt werden kann, anstatt mit proprietären DRM-Systemen zu nerven, die am praktischen Bedarf vorbei entwickelt wurden.

Die eBooks-Szene dagegen scheint so ausgedurstet nach Input zu sein, dass sie weitgehend kritiklos alles schluckt, was die Hersteller anbieten. Nach dem Motto "Besser als nichts"... :(

Das fängt mit den Lesegeräten an, die derzeit noch zu Mondpreisen gehandelt werden und hört (nach meiner persönlichen Meinung) mit DRM-versuchten eBooks auf.

Gruß
Jan

9

Montag, 18. Mai 2009, 10:57

Jan, so sehe ich das auch.

Die E-reader Szene ist aktuell derart heiß, wenn auch klein, dass ich befürchte, dass Sony und Konsorten davon selbst in deren eigener strategischer Zielsetzung überrannt wurden. 400.000 Reader weltweit mögen erstmal nicht viel sein - aber auch der Walkman hat mal sehr bescheiden begonnen, aber exponentiell entwickelt.

Und was die marktbeherrschende Stellung von Amazon angeht befürchte ich so wie Du ein beginnendes Monopol. Nur dass da irgendwelche Wettbewerbshüter selbsttätig einschreiten werden sehe ich nicht. Das geht immer nur auf Antrag eines Anderen. Und wenn die Hersteller oder anderen Sortimenter da nicht aufwachen - dann Gute Nacht. Da wird dann zunächst der kleine ´Markt von vielleicht 10.000 Reader - Einheiten in D belächelt, wenn man aufwacht, sind da nicht nur Nullen erwacht, sondern hängen zwei mehr an den Einheiten....

Schade - so wurde bereits der erste Reader Ansatz Mitte der Neunziger vergeigt...

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