Stanza bei Amazon, das ist traurig - aber auch spannend.
Lexcycle und Adobe arbeiten zusammen am zukünftigen E-Book-Format. [lexicon]ePub[/lexicon] ist ja nur ein erster Versuch. Da wird Amazon jetzt mitreden. Das Thema Kopierschutz erledigt sich allerdings von allein, da ist Adobe schon hinterher. Aber natürlich ist Amazon daran interessiert, etwas zu steuern, auf welchen Geräten zukünftige Reader zum Einsatz kommen bzw. welche Datenformate sie lesen können. Entscheidend ist, dass die Amazon-Ware optimal verwertet werden kann - das kann dann gern auch auf dem iPhone sein. Mit Millionen von iPhone-Nutzern als potentiellen Kunden hat man mehr verdient, als wenn ein paar hunderttausend Kindles mehr verkauft werden (ist ja noch nicht klar, ob Lesegeräte tatsächlich eine Zukunft haben, siehe iPhone).
Interessant wird diese Nachricht im Zusammenhang mit einer anderen:
Die Verlagsgruppe Random House hat letzte Woche eine Reihe "enhanced e-books" rausgebracht - ein Test, nur im UK erhältlich. Da gehts dann mit Audio und Video und evtl. mehreren Sprachen gleichzeitig zur Sache. So sieht das E-Book der Zukunft aus. Logisch dass es dafür ganz neue Readersoftware braucht. Random House arbeitet zurzeit an einer eigenen Software. Das wiederum ist überraschend, schließlich sind die Verlage noch nie als Softwareproduzenten aufgetreten, sondern waren immer Opfer der Software-Entwicklung.
Aber nun mal angenommen, der Random-House-Reader wird gut und der dazu angebotene "Lesestoff", oder wie immer man das dann nennen wird, taugt was, dann setzt sich möglicherweise ein neuer Standard durch. Und der kommt von einem echten Konkurrenten, denn Random House leidet wie alle Verlage unter der wachsenden Übermacht von Amazon. In USA hört man schon ein großes Jammern der Verlage, dass es im Prinzip keine Preisverhandlungen mehr gibt, sondern man kann nur noch das Angebot von Amazon akzeptieren oder es ablehnen - und ist dann eben beim weltgrößten Buchhändler nicht mehr im Angebot. Kein heutiger Verlag hat mehr die Finanzkraft, um einen ähnlichen Laden wie Amzon aufzuziehen (solange hauptsächlich Papier verschickt werden muss).
In der digitalen Welt schaut es aber anders aus: Man nehme ein paar schnelle Server, eine gute Shop-Software und viele Bücher - schon geht's weltweit ab. Wenn Random House als Großproduzent in der digitalen Zukunft seine Ware nur noch im eigenen Laden verkauft, entgeht Amazon ein dickes Geschäft und wir haben ein hübsches Vorbild für die restliche Buchbranche - digital ist es ja nicht so schlimm, wenn der Leser fünf bis zehn Shops abklappern muss. Es werden sich dannn sowieso entsprechende Buchportale bilden, die einen Gesamtkatalog erstellen.
Das kann Amazon nicht zulassen. Also muss die nächste erfolgreiche Readergeneration die Amazon-Formate hervorragend unterstützen und möglichst den neuen "Spezialformaten" aus der Verlagswelt etwas weniger aufgeschlossen sein. Wer zuerst massiv auf dem Markt vertreten ist, lässt den andern ins Leere laufen. Es genügt doch, ins zukünftige Dateiformat ein paar patentierte Features einzubinden, die man dem Konkurrenten nicht offenlegen muss, schon muss der Leser sich für das eine oder andere System entscheiden ... den Rest kennen wir von Video und DVD.
Und mit Adobe als Partner kann man einiges bewegen.
Bleibt zu hoffen, dass Kovid Goyal dem Druck stand hält und die Unabhängigkeit von Calibre bewahren kann. Sonst sterben die Reader mit guten Konvertiereigenschaften möglicherweise bald wieder aus. Denn genau dieses Talent nervt alle Buchverkäufer.
Grüße an alle Standhaften