Irgendwie ist mein kleiner Beitrag absonderlich klobig geworden. Das war keine böse Absicht oder Ignoranz. Bitte keine Haue.
Ich bin der Ben aus Oldenburg. Ich bin 33 Jahre alt (sehe aber jünger aus, wie ich zu meiner neurotischen Schande gestehen muss), werde aber immer dann fühlbar jünger, wenn ich mich sehr für etwas begeistern kann (und an Begeisterungsfähigkeit mangelt es mir nicht im Geringsten).
Gerade in letzter Zeit sprühe ich mitunter Funken aufgrund der vielen genialen technischen Errungenschaften um uns herum.
Seit langem besitze ich einen Haufen eBooks von ein paar Autoren und denke bereits seit Jahren über die Möglichkeit elektronischer Bücher nach.
Momentan weiß ich nicht einmal genau, ob einige eBook-Lesegeräte in meiner Erinnerung irgendwelchen einmal gesehenen Dokumentationen über aktuelle Technik entspringen - oder Science-Fiction-Filmen.
Im Gegensatz zu meinen sonstigen Gewohnheiten falle ich einfach mal mit der Tür ins Haus und erzähle, was mich hierher geführt hat - in etwa zumindest.
Im Laufe der Jahre habe ich mehr als oft versucht, PDF-Romane (von denen ich etliche besitze) am Bildschirm zu lesen.
Am Röhrenmonitor habe ich es probiert, am Flachbildschirm habe ich es versucht usw. Nie konnte ich mich a) lange auf den Text konzentrieren und/oder hatte b) die Muße, Ewigkeiten in aufrechter Haltung zu sitzen und mich gleichzeitig paradoxerweise beim Lesen zu entspannen.
Das funktionierte hinten und vorne nicht.
In meiner jetzigen Wohnung habe ich einer absonderlich kleine Toilette, in die ein dicker Mensch mit Sicherheit nicht reinpasst. Da ich in dieser "Box" auch keine Steckdose habe (für die wahrscheinlich nicht einmal Platz wäre), habe ich mir ein Verlängerungskabel von der Badezimmersteckdose zum Klo gelegt, um ein Notebook mit zur "Einzelsitzung" nehmen zu können. Der Akku ist bereits ziemlich hinüber und so braucht man halt das Netzkabel.
Die etwas bekloppte Aktion diente nur einem einzigen Zweck: auf der Toilette ein eBook lesen zu können. Dreimal habe ich das gemacht; vielleicht sogar viermal. Dann beendete ich diese Versuche aber.
Entspanntes Lesen ist etwas anderes. Merkwürdigerweise geht mir sogar der Seitenwechsel und das Geblättere mit Adobe Acrobat tierisch auf den Zünder. Nach jedem Blättervorgang müssen meine Augen erst einmal ganz kurz den Zeilenanfang suchen. Das dauert zwar nicht lange, verhindert aber jegliche Entspannung.
Ein wichtiges Schlüsselerlebnis hatte ich aber, als ich einem Freund bei einer Arbeit half.
Er war mit der Fertigstellung seiner Dissertation beschäftigt und hatte einige Leute gebeten, seine Arbeit kapitelweise Korrektur zu lesen - darunter auch mich.
Ich bekam den Text als Word-Dokument und sollte Rechtschreib- und Satzbaufehler korrigieren. Sollten mir Formfehler auffallen, war ich ebenfalls angehalten, diese zu beseitigen bzw. Lösungsvorschläge einzubringen.
Inhaltlich war diese Arbeit nicht im Geringsten mein Metier. Da flogen mir die Fachwörter nur so um die Ohren, dass mir ganz schwindelig wurde.
Die Sätze waren mitunter auch - um mal einen kleinen Euphemismus zu benutzen - sehr inhaltsreich; auf deutsch: es gab furchtbar viele zeilenlange Bandwurmsätze.
Anfänglich glaubte ich deshalb auch, es läge allein am Schreibstil und dem Inhalt, dass ich nur noch Bahnhof verstand. Allmählich entdeckte ich jedoch Sätze, welche nicht so furchtbar komplex waren, welche nicht einmal so ellenlang waren und auch keine Fremdwörter enthielten.
Trotzdem begriff ich ihren Inhalt nicht.
War die Grammatik irgendwie verdreht oder entstellt?
In solchen Fällen ging es mir manchmal ganz ähnlich. Nach dem letzten Wort des Satzes kehrte ich immer zum Anfang zurück und hatte nur noch Wortsalat im Kopf.
Das war richtig schrecklich!
Vor allem kam mir sehr schnell der Gedanke, dass ich meinem Freund eine Absage erteilen musste. Wie sollte ich da irgendwie den Text durchsehen können, wenn ich damit kämpfte, als handle es sich um eine Fremdsprache?
Ich wusste nicht, was mit mir los war. Normalerweise kannte ich solche Probleme nicht. Obwohl ich zwar ein paar persönliche Probleme hatte, nahmen mich diese nicht so sehr in Beschlag, dass ich nicht mehr imstande war, Texte zu verstehen.
Auf jeden Fall war es mir auch peinlich. Diese Sache packte mich auch bei meiner Eitelkeit und meinem Stolz.
Da ich aber kein bißchen durch diesen Text durchfand, versuchte ich vorsichtig, meinem Freund und Verfasser dieser Arbeit mit Hilfe von Andeutungen mein Problem mitzuteilen.
Überraschenderweise war ihm sowas nicht ganz fremd. Er kannte diese Effekte vielleicht nicht so stark, schon diese heftige Reaktion bei mir jedoch auch ein bißchen darauf, dass es eben überhaupt nicht mein Stoff und mein Thema war, den ich da durchzulesen versuchte.
Er gab mir den dringenden Ratschlag, das Kapitel auszudrucken und auf Papier durchzuarbeiten.
Trotz gewisser Zweifel tat ich das dann auch und stellte daraufhin fest, dass dieses Problem schlagartig verschwunden war.
Am Monitor reichte meine Konzentration nicht im Geringsten, diesen schwierigen Text zu erfassen.
Kaum lag er mir auf Papier vor, konnte ich mich der Arbeit in altbekannter Stärke stellen.
Das Erlebnis hat mir mit einem Schlag ein überdeutliches Bewusstsein dafür geschaffen, wie viel anstrengender das Lesen auf dem Monitor ist, als auf Papier. Dabei war es völlig egal, ob ich das Dokument auf einem Röhrenmonitor zu lesen versuchte, auf dem TFT des Kassenrechners in unserem Geschäft oder auf einem Notebook.
Einen Palm habe ich nie besessen. Dennoch reizte mich seit Jahren die mir bekannte Tatsache, dass ich mit meinen PDF-Dokumenten nicht automatisch an Windows-PCs gebunden bin. Es gab zumindest immer die Möglichkeit, so einen Text auf einem mobilen Lesegerät darstellen zu können.
Ich habe mich niemals hingesetzt und nach der Technologie gesucht, mit der ich solche Dokumente am bequemsten lesen kann. In meinem Hinterkopf stand aber irgendwie immer fest, dass meine eBooks irgendwann auch gelesen werden - und zwar nicht am PC.
Gewissermaßen war mein Status diesbezüglich während der letzten Jahre immer "...in progress"
Vor vielleicht einem Monat; evtl. auch vor ein paar Tagen mehr erzählte mir ein guter Freund von einem eBook-Reader namens "Kindle".
Eigentlich fragte er mich erst einmal: "Kennst du Kindel?"
Zuallererst habe ich den Namen natürlich nicht gelesen, sondern nur gehört. So ratterte es irgendwo in meinem Kopf. Woher kannte ich dieses Wort: "Kindel"? -es dauerte ein Weilchen bis mir dazu etwas einfiel: "Berliner Kindl ?!?"
Da mein eigenes Gehirn nur eine verhältnismäßig kleine Festplatte enthält, besitzt es eine Art "Auslagerungsdatei", welches sich Internet nennt.
Erzählt mir also jemand in meinen eigenen vier Wänden irgend etwas Interessantes, springe ich oftmals ziemlich sofort an den Rechner und befrage erst einmal Wikipedia & Co.
Also setzten wir uns - mein Freund und ich - kurz an den PC, während ich kurz einmal den Text vorlas, den mir eine Webseite über den Amazon Kindle Reader fand.
Während meines Versuches, den Text flüssig vorzulesen, machte ich auch gleich einen kleinen bis mittelschweren Lesefehler und las irgendwas von "Elink-Displays".
Mir fiel das nicht einmal auf. Irgendwo im Text würde schon erlärt werden, was ein E-Link-Display ist.
Texte, Computer, Links, eCommerce, eBooks, e-Link - logisch oder?
Gott sei Dank machte mich mein Freund auf den Schwachsinn aufmerksam, den ich da gerde mit ernster Miene verkündet hatte.
Das, was ich da so eben - schwupps - überlesen hatte, macht ausgerechnet den gigantischen Unterschied aus zwischen den Bildschirmdarstellungen von Texten, für welche meine Konzentration nicht im Geringsten ausreicht - und dem guten alten Papier, auf dem dieses sonderbare Problem nicht besteht.
Sofort nach der Korrektur meines schlampigen Vorlesefehlers googelte ich nach "e-Ink" - "elektronischer Tinte" bzw. "elektronischem Papier".
Das schien genau der Meilenstein zu sein, an welchem sich meine Einfahrt befand.
Bereits während der ersten 15 Minuten entdeckte ich schon in der Wikipedia ein paar äußerst hässliche Schönheitsfehler am Amazon Kindle.
Das Ding "spielt" keine freien Formate ab. Nix PDF-Reader.
Als kleiner "Ausgleich" dafür besitzt das Gerät aber eine Art Netzzugang zum "Whispernet", welcher so viel Strom verbraucht, dass alle Energiesparvorteile des elektronischen Papiers sofort hinüber sind.
Das "Whispernet" erlaubt es seinen amerikanischen Nutzern - und Amerika ist ja das Heimatland des "Kindle" - eBooks direkt aus der riesigen Amazon-Kindle-Bibliothek zu kaufen - gewissermaßen online über eine Art Mobilfunk.
Dummerweise kann diese Verbindung auch die bereits gekauften Bücher auf dem Gerät unbrauchbar machen. Nebenbei kostet so ein eBook offenbar fast genauso viel, wie der gute alte Schmöker aus Bestandteilen des Regenwaldes.
Das ist alles ziemlich inakzeptabel. Sicher gibt es auch Argumente, die für das Ding sprechen - mir jedoch reichte es.
Dafür hatte ich aber ein neues Wort gelernt: "e-Ink".
Ich forschte kurz nach und hatte innerhalb von 20 Sekunden den Sony Reader PRS-505 entdeckt, in den ich mich sofort verliebte.
Nur wenige Tage hielt ich diese unerfüllte Liebe aus und beschloss daraufhin, "zusammen zu ziehen". Ich bestellte mir über einen deutschen Ebay-Händler einen Sony-Reader, dessen stolzer Besitzer ich seit ca. zwei Wochen bin.
Auch mein Freund, der mich durch den Kindle erst auf die Idee gebracht hatte, erkannte, dass man so ein Gerät einfach haben muss - und bestellte das Ding ebenfalls via Ebay - jedoch direkt aus den Staaten....
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Popetownpope« (3. August 2008, 17:07)