Darum lesen die meisten Deutschen keine E-Books

      Darum lesen die meisten Deutschen keine E-Books

      Bin gerade bei welt.de über diesen Artikel gestolpert:

      Darum lesen die meisten Deutschen keine E-Books

      Seit drei Jahren steigt die Zahl der E-Book-Leser in Deutschland nicht mehr, obwohl die E-Reader immer besser werden. In den USA schrumpft der Markt sogar. All dies hat einen ganz einfachen Grund.
      Interessant.
      ​Für mich am logischsten:

      "Tatsächlich spielt der Preis eine wesentliche Rolle. So ist in den USA der E-Book-Markt in den vergangenen Jahren um 24 Prozent eingebrochen, weil Amazon gedruckte Bücher aggressiv günstig bepreist, während die Preise von E-Books von den Verlagen festgelegt werden. Das führt dazu, dass in vielen Fällen gedruckte Bücher günstiger sind als die digitalen Varianten. Vielen Lesern ist ein Kindle E-Book für 15 bis 18 Dollar schlichtweg zu teuer."
      Sorge dich nicht lebe
      Und unsere Verlage versuchen auch weiter, an der ebook-Preisschraube zu drehen. Solange sie hierbei den ebook-Preis stets an den Printpreis (zuerst HC, später TB) koppeln, führt das dann zu unschönen Preisverwerfungen. Zumal, wenn die Hörbuchversion sogar noch billiger ist als das ebook. Das schlägt für mein Empfinden dem Fass doch das Ei ins Gesicht … oder so … es kann doch wahrlich nicht sein, dass eine aufwändig eingesprochene Fassung billiger vertrieben werden kann als das ebook, was in der Quelle dem gedruckten Exemplar wesentlich näher steht.

      Beispiel: Wolf Biermann "Warte nicht auf bessre Zeiten!" (Autobiografie)
      Auf das Buch aufmerksam wurde ich durch das Interview mit Biermann im letzten SZ-Magazin (online vollständig leider nur mit SZ Plus lesbar).
      Das HC ist gerade bei Ullstein erschienen und kostet 28 EUR. Nun gut, mag fürs HC angemessen sein.
      Das ebook aber kostet stolze 26,99, nur einen Euro weniger. Das liegt für mich weit über jeder akzeptablen Schmerzgrenze.
      Das Hörbuch auf 10 CDs (gekürzte Lesung), kann man für 24,99 EUR kaufen.
      Als Hörbuch-Download bekommt man die ungekürzte Fassung für 20,95 (hoebu.de).

      Für mich ist hier der ebook-Preis reine Geldschneiderei, da gibt es keinerlei sinnvolle Argumente dafür, außer: man kann es eben.
      Jeder soll nach seiner Façon selig werden lesen. (frei nach Fritz II)
      Ruhe Alfen ist die erste Bürgerpflicht. (frei nach Graf v. d. Schulenburg, 1806)
      Klassischer Fall von "Nein! - Doch! - Ohhhhh!".

      Da ich die eBook Preise grade bei Neuerscheinungen als unverschämt empfinde, lese ich fast nur noch eBooks aus der Onleihe. Bislang ist mir der Lesestoff noch nicht ausgegangen.
      "Über besorgte Bürger wusste er Bescheid. Wo auch immer sie sich aufhielten: Sie sprachen immer die gleiche private Sprache, in der "traditionelle Werte" und ähnliche Ausdrücke auf "jemanden lynchen" hinausliefen."

      – Terry Pratchett, "Die volle Wahrheit"
      Vor 2 Wochen hatten wir in unserer Frauengruppe (Frauen zwischen 45 und 60 Jahren) einen Büchertauschabend. Da bringt jede Bücher mit, die ihr gefallen haben, stellt sie den anderen vor und verleiht sie.
      Es waren 8 Frauen da. Ich war die einzige, die nur noch Ebooks liest (ich weiß von zwei anderen, die an dem Abend nicht da waren, die zumindestens teilweise Ebooks lesen). Die anderen 7 Frauen wollen absolut nichts mit Ebooks anfangen. Ihnen fehlt das haptische Gefühl beim Ebook- Reader und außerdem ist lehnen viele es ab, sich mit dem drumherum (Einrichtung, Download) zu beschäftigen. Dass man die Schriftgröße auf eine bequeme Größe einstellen kann, interessierte die Damen nicht.

      Bei diesem Besuch stand mir mein Zweitreader nicht zur Verfügung, weil ich ihn meinem Sohn geliehen habe. Ich hätte ihn sonst wohl zum Büchertauschabend mitgenommen, um das Gerät samt Ebooks zu verleihen. Aber ich denke, es hätte niemand Interesse gehabt.
      Meine Erfahrung im Bekanntenkreis ist, dass das haptische Gefühl, ein Papierbuch in Händen zu halten, alle anderen Argumente ausschlägt. Und das kommt oft von Leuten, die zumindest leihweise einen Reader ausprobiert haben. Letztlich wird man das auch nicht ändern können. Das ist eine Grundsatzeinstellung, der man mit Sachargumenten nicht beikommen kann.
      Dabei habe ich eine aufklappbare Lederhülle, die einem Bucherlebnis schon näher kommt. Aber das reicht nicht.
      Ich kann das durchaus verstehen. Viele Leute die so ab 50 Jahre alt sind, haben mit Computern als Arbeitsgeräten Bekanntschaft gemacht. Da entbrennt nicht unbedingt Liebe, zumal, wenn es mit DOS-Kisten begann. Daneben hat sich die Bedienung von Geräten wie Radios, Fernsehern, Waschmaschinen usw. nicht gerade verbessert in den letzten Jahrzehnten.

      Das ergibt dann schnell eine allgemeine Skepsis gegenüber elektronischen Geräten. Viele kann man sich nicht entziehen, aber beim Lesen hat man durchaus die Wahl.
      Gemeinfreie Literatur gibts bei Mobileread.
      Moinmoin.

      Historiker schrieb:

      Meine Erfahrung im Bekanntenkreis ist, dass das haptische Gefühl, ein Papierbuch in Händen zu halten, alle anderen Argumente ausschlägt.


      Und meine Erfahrung ist, dass das in den meisten Fällen eine recht schwache Ausrede ist. Man muss nur ein paar weitere Fragen stellen, dann brechen die meisten ein und reden sich um Kopf und Kragen. Letztlich deute ich das so, dass es ein eher psychologisches Ding ist. Den meisten, mit denen ich das Gespräch suche, wäre es aus reinen Vernunftgründen schlichtweg egal, wenn sie elektronisch lesen würden. Sie verknüpfen aber (z. B. historisch oder nostalgisch begründet) das Lesen ganz generell mit einem Produkt Druckbuch und wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, das Lesen auf einem eInk-Reader als auch nur ansatzweise akzeptabel zuzugeben, einfach aus Prinzip.

      Es gibt auch Menschen, denen ich tatsächlich den "Haptik-Zwang" attestieren würde, die meisten verweigern das elektronische Lesen aber einfach aus Prinzip. So zumindest meine Beobachtung.

      Gruß
      Q.
      gesendet ohne Tapirtalk
      von meinem Smartwebphabook-2020BR mit 1.3THz, 128GiB RAM, UHD-Superretina
      Meine 90-jährige Oma hat sich, nachdem sie erst ein Billig-Android hatte, einen Kindle zugelegt, weil sie gedruckte Bücher nur noch schlecht lesen kann, da die Schrift für sie mittlerweile zu klein ist. Ich hatte ihr vorher sowohl mein Tablet als auch meinen Kindle gezeigt. Beim Einrichten brauchte sie Hilfe (bei beiden Geräten), seitdem scheint sie damit alleine klarzukommen. Wobei sie auch einen PC mit Internet usw. hat und in der Richtung schon länger sehr affin war. Vielleicht weil sie durch die Arbeit mit den ersten Computern in Berührung gekommen ist?

      Rainer Zenz schrieb:

      Viele Leute die so ab 50 Jahre alt sind, haben mit Computern als Arbeitsgeräten Bekanntschaft gemacht. Da entbrennt nicht unbedingt Liebe, zumal, wenn es mit DOS-Kisten begann.


      Ich glaube du hast keine Ahnung wie begeistert die Leute waren, die in kaufmännischen oder technischen Bereichen beschäftigt waren, dass ihnen der Computer Routineaufgaben abgenommen hat, oder andere Aufgaben wesentlich erleichtert hat.
      Ich denke hier z.B. an die Buchhaltung, das komplette Personalwesen, oder Auswertung von Daten, speziell mit Programmen wie Excel.

      Post: Oder so einfache Aufgaben wie Briefe und Rechnungen schreiben.
      Sorge dich nicht lebe

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „frankoliver“ ()

      Wir lesen nur noch elektronisch (beide Ü50).
      Das geht sogar soweit, dass meine bessere Hälfte ihren Tolino Shine zur Autorenlesung von Thomas Raab (Still) mitgenommen hat und ihn auf der Rückseite des Gerätes mit Goldstift unterschreiben ließ ...
      Thomas Raab war total begeistert - O-Ton: "Oh jetzt hab ich so großzügig unterschrieben, da kann kein anderer mehr ..."

      Ansonsten hindern mich auch die (vermeintlich) hohen Preise nicht wirklich. Für mich zählt der Inhalt und das unabhängig vom Trägermaterial. Reizt mich der Inhalt nicht, kaufe ich weder eBook noch Holzbuch ...
      Ich war bass erstaunt, dass sowohl meine Schwester (ü50) als auch meine Mutter (ü75), beide DAU und generell Technik-Verweigerer, vor gut einem Jahr sich sofort, aber wirklich sofort, vom e-Lesen begeistern ließen. Jeder musste ich einen Tolino kaufen. Neulich hat meine Mutter sogar ein ausgeliehenes Papierbuch zurück gegeben, weil ich es ihr als eBook besorgen konnte. Ihr Hauptargument ist das Gewicht und die Handlichkeit, daraus resultierend die Mobilität.
      Denken ist wie googeln, nur krasser.

      Meine Schwiegermutter und ihre Schwester sind vor einigen Jahren auch auf Tolinos umgestiegen weil: Man kann die Schrift grösser schrauben, man hat nicht soviel zu schleppen, die Onleihe NBib24 ist viel bequemer als das Getüddel über die Dörfer zur Stadtbücherei nach Aurich hin ...
      "Über besorgte Bürger wusste er Bescheid. Wo auch immer sie sich aufhielten: Sie sprachen immer die gleiche private Sprache, in der "traditionelle Werte" und ähnliche Ausdrücke auf "jemanden lynchen" hinausliefen."

      – Terry Pratchett, "Die volle Wahrheit"

      Rainer Zenz schrieb:

      Das ergibt dann schnell eine allgemeine Skepsis gegenüber elektronischen Geräten.

      Die hatte mein Vater in Bezug auf Computer auch und er konnte nicht verstehen, warum ich (in den 90ern) soviel Zeit in die Kisten investiere. Nachdem ich aber einen Wunsch von ihm mittels PC innerhalb ein paar Minuten erfüllen konnte, wandelte sich diese Einstellung. Er hat sich dann als 70+ von mir eine komplette Anlage zusammenstellen lassen, ist zu PC-Kursen an der VHS gegangen und hat eine komplette mehrbändige bebilderte Familienchronik erstellt :thumbup: .
      Audiatur et altera pars! Du sollst auch die andere Seite hören!
      Die Preise Hardcover zu Ebook empfinde ich auch oft als Frechheit. Mir geht da das Verständnis flöten, warum man das Ebook nicht direkt zum TB-Preis anbietet. Ich könnte mir vorstellen, dass dann auch der Zahl der Ebook-Leser steigt.

      Mein Opa, 85, hätte gern einen Kindle auch wegen der Schrift und dem Gewicht, allerdings scheitern wir leider daran wie wir die Bücher drauf bekommen, da er 500km entfernt wohnt und zwar einen urlaubt Win98 Pc hat aber kein Internet zu Hause hat und mein Onkel keine Lust hat sich da als Vermittler, sprich das Ding ab und an mal, wenn Opa eh zu Besuch ist an den Pc zu klemmen, helfend einzubringen. Er ist blöderweise die einzige Verwandschaft die nah dran wohnt.
      Menschen, die per se gewisse Dinge ablehnen, wird es wohl immer geben. Wenn ich merke, jemand will nicht - weshalb auch immer - lasse ich ihn mit dem Seinen glücklich werden und verbringe meine Zeit lieber mit anderem. Zur Missionarin eigne ich mich so gar nicht, und denke ich mir einfach: »Wer nicht will, der lässt es eben.«


      Ich lese jetzt seit Ende 2009 auf Readern und habe Papierbücher seitdem nur noch zum Abstauben angefasst.
      Ein Tag ohne Lesen ist ein ebenso verlorener Tag wie ein Tag ohne Lachen!